Monatsarchiv für November 2008

Nov 24 2008

VdT

Tibeter halten am “Weg der Mitte” fest

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Zum Ende ihrer sechstägigen Beratungen haben 600 exiltibetische Führer dem Dalai Lama den Rücken gestärkt. Nachdem dieser zuletzt seine Führungsrolle in Frage gestellt hatte, gab er sich neu entschlossen.
(DW) Der Dalai Lama hat seinen Rücktritt kategorisch ausgeschlossen. “Es ist meine moralische Verantwortung, die Tibeter bis zu meinem Tode zu führen”, sagte das 73-jährige religiöse Oberhaupt der Tibeter nach Berichten indischer Medien vom Sonntag (23.11.2008). Am Vortag hatte ein Krisentreffen von rund 600 exiltibetischen Führern dem Dalai Lama den Rücken gestärkt.

Bei dem sechstägigen Treffen im indischen Dharamsala, dem Sitz der exiltibetischen Regierung, hatten die Teilnehmer über den weiteren Umgang mit der chinesischen Regierung beraten und sich darauf verständigt, eine entschlossenere Haltung gegenüber Peking einzunehmen. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung solle aber zunächst am “Weg der Mitte” mit dem Ziel einer größeren Autonomie Tibets festgehalten werden.

“Wir werden den Weg der Mitte weiterverfolgen. Doch wenn es innerhalb kurzer Zeit keinen Fortschritt gibt, werden wir andere Optionen erwägen, auch die Unabhängigkeit”, erklärte Karma Choephel, Präsident des tibetischen Exil-Parlaments. Bei dem Treffen wurde die Frage nach einem Politikwechsel kontrovers diskutiert. Vor allem junge Exil-Tibeter sprachen sich dafür aus, die Unabhängigkeit Tibets von China zu fordern. Andere befürchteten, dass eine Radikalisierung zum Verlust der internationalen Unterstützung führen könnte. Zuletzt hatte auch der Friedensnobelpreisträger erklärt, er sehe seinen Weg, mit China über eine Autonomie Tibets zu verhandeln, als gescheitert an.

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Nov 20 2008

VdT

“Die Zeit für alle Tibeter ist gekommen”

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(Süddeutsche)Mehr als 600 Exil-Tibeter haben am Montag in der nordindischen Stadt Dharamsala Beratungen über den weiteren Umgang mit der chinesischen Regierung aufgenommen.

“Wir glauben, dass dieses Treffen als wichtiges Ereignis in unsere Geschichte eingehen wird”, teilte die tibetische Exil-Regierung zum Auftakt mit. Die chinesischen Repressionen gegen Tibet und die Tibeter hätten zugenommen.

“Es gibt keine Anzeichen für eine Wandlung zum Positiven.” Der Dalai Lama, der selber nicht an den sechstägigen Gesprächen teilnehmen will, hatte das Sondertreffen angesichts der festgefahrenen Verhandlungen mit Peking einberufen.

Der tibetische Exil-Premierminister Samdhong Rinpoche sagte, die Gespräche fänden zu einem “kritischen Zeitpunkt” statt. “Jetzt ist die Zeit für alle Tibeter gekommen, über ihre Sorgen zu diskutieren und ihre Meinungen auszutauschen”, teilte die Exil-Regierung weiter mit. Ziel sei eine offene Diskussion.

Das Treffen solle Kritikern der Politik der Exil-Regierung eine Plattform bieten. Ein Politikwechsel müsse vom gesamten Volk bestimmt werden. “Welche Haltung zur Zukunft Tibets auch entschieden werden mag, sie sollte ein klares Mandat des Volkes haben. Die vereinten Bemühungen der Tibeter sollten auf der internationalen Bühne sichtbar sein.”

Nach Angaben der Exil-Regierung nehmen 660 Exil-Tibeter an dem Treffen teil. Die Gespräche sollen bis kommenden Samstag andauern. Sondergesandte des Dalai Lama hatten sich am Sonntag enttäuscht über den Verlauf des jüngsten Tibet-Dialogs mit Vertretern der chinesischen Regierung gezeigt. Es sei deutlich geworden, dass Peking kein Interesse daran habe, das Tibet-Problem ernsthaft zu lösen. Im März war es zu heftigen Unruhen in Tibet gekommen, gegen die Peking massiv vorgegangen war.

Anschließend hatte sich die chinesische Führung zur Wiederaufnahme der Gespräche mit Gesandten des Dalai Lama bereiterklärt, die ergebnislos blieben.

Der Dalai Lama fordert eine “echte Autonomie” Tibets innerhalb Chinas. Peking wirft ihm vor, verdeckt nach Unabhängigkeit zu streben. Der geistliche Führer der Tibeter hatte vor wenigen Wochen erklärt, er stelle inzwischen eher ein Hindernis dar, als zur Lösung des Problems beizutragen. Er rief die Tibeter dazu auf, “nach realistischen und gewaltfreien Optionen für den künftigen Kurs unseres Kampfes” zu suchen.

Der Sprecher des tibetischen Exil-Parlaments, Karma Choephel, machte China für ein Scheitern der Verhandlungen über Tibet verantwortlich. Er sagte, vor dem Treffen in Dharamsala seien 17.000 Tibeter in Tibet befragt worden, von denen sich knapp ein Drittel für die Unabhängigkeit von China ausgesprochen habe. Choephel machte keine Angaben dazu, wie die Befragung im besetzten Tibet zustande gekommen war. In Indien leben 80.000 Exil-Tibeter, mehr als in jedem anderen Land. Der Dalai Lama war 1959 nach Dharamsala geflohen.

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Nov 20 2008

VdT

Tibet: Jamyang Kyi erneut festgenommen

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Quelle: (IGFM)
Die bekannte tibetische Dichterin und Sängerin Jamyang Kyi wurde erneut festgenommen.
Einer zuverlässigen Quelle zufolge wurde die bekannte tibetische Dichterin und Sängerin Jamyang Kyi, die beim Fernsehen der Provinz Tso-Ngon (Qinghai) als Nachrichtensprecherin und Regisseurin angestellt war, am 10. November erneut festgenommen. Auf ihre anfängliche Festnahme im April* hin war sie nach Entrichtung einer Geldstrafe hin freigelassen worden. Der Grund für ihre neuerliche Verhaftung ist nicht bekannt.Während ihrer Inhaftierung im April wurde sie, wie wir jetzt erfuhren, brutal gefoltert, worüber sie im Internet berichtete. In ihrem Artikel erwähnte sie auch die Verurteilung von Walza Norzin Wangmo** am 1. September und die erneute Festnahme des Mönches Jigme aus dem Kloster Labrang.

Am 14. November um 9.30 sprach das Mittlere Volksgericht von Dartsedo den 20jährigen Mönch Palden Thinley des Klosters Kardze schuldig und verhängte eine Strafe von 7 Jahren über ihn, weil er an den friedlichen Demonstration teilgenommen und Parolen für die Unabhängigkeit Tibets gerufen hatte. Am 18. Juni waren er und seine vier Begleiter in die Stadt Kardze gegangen und hatten dort eine großen Behälter voller Flugblätter über die Unabhängigkeit Tibets verteilt und dementsprechende Parolen gerufen. Sie wurden kurz darauf von dem Sicherheitspersonal des Bezirks festgenommen, das sie halb tot schlug und dann abführte.

Angesichts der äußerst kritischen Situation in Tibet appellieren wir an die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft sowie Menschenrechtsorganisationen in der ganzen Welt, die VR China zu drängen, folgenden Forderungen stattzugeben:

  • unverzüglich unabhängige Untersuchungskommissionen nach Tibet zuzulassen;
  • unverzüglich der freien Presse Zugang zu ganz Tibet zu gewähren;
  • unverzüglich den brutalen Festnahmen, Inhaftierungen und dem Morden in ganz Tibet ein Ende zu setzen;
  • unverzüglich alle unschuldig festgenommenen und inhaftierten Tibeter freizulassen;
  • unverzüglich die unfairen Gerichtsverfahren und die ungerechtfertige Verurteilung friedlicher Demonstranten einzustellen.
  • * Siehe auch: „Führende tibetische Schriftstellerin, Fernsehregisseurin und Sängerin festgenommen“:

** ICT teilt am 18. November mit: Die etwa 30jährige Walza Norzin Wangmo, ein tibetisches Parteimitglied, wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie Nachrichten über die Lage in Tibet per Telefon und Internet an die Außenwelt geliefert hatte, wie aus Quellen hervorgeht. Walza Norzin Wangmo aus der Gemeinde Kyungchu, TAP Ngaba, Provinz Sichuan, wurde am 3. November vor Gericht gestellt. Wie die Anklage gegen sie genau lautet, ist nicht bekannt. Einer ihrer Freunde schrieb, als er von ihrer Inhaftierung erfuhr: „Als eine junge Frau in den dreißiger Jahren hast Du Dich in der Blüte der Jugend, zu dieser wichtigen Zeit Deines Lebens, wo Dein Kind Deiner ganzen Fürsorge bedarf, ebenso wie andere tibetische Helden und Heldinnen, von Deinen Eltern und Deinem Ehegemahl getrennt und Deine Kinder verwaist zurückgelassen - um der Wahrheit willen und ganz alleine hast Du Dich auf diesen Weg gemacht. Fünf Jahre, das sind 1.825 Tage oder 43.800 Stunden. Wie schrecklich ist es, die besten Jahre seines Leben in einer dunklen Gefängniszelle verbringen zu müssen“.

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