Mrz 12 2009
unwiederbringlicher Zeitverlust, ein dunkles Kapitel in unserer Geschichte
Die Rede zum 10. März 2009, Berlin
Liebe Landsleute, liebe Freunde Tibets!
Heute sind wir hier zusammen gekommen, um einem besonderen, dunklen Tag in der tibetischen Geschichte zu gedenken. Es sind genau 59 Jahre vergangen, seit die chinesische Armee nach Tibet einmarschiert ist und Tibet gewaltsam annektiert hat. In historischer Dimension gesehen mögen 59 Jahre keine all zu lange Zeitspanne sein, aber für das tibetische Volk, das seine Kultur fast vollständig vor der Zerstörung sieht, ist dieser Zeitraum ein kostbarer, unwiederbringlicher Zeitverlust, ein dunkles Kapitel in unserer Geschichte. Diese Zerstörung war kein Kollateralschaden, sondern
gewollt und hatte System:
- zwischen 1966 und 1976, während der Kulturrevolution, wurde die gesamte Intelligentia Tibets vernichtet; über 6.000 Kulturzentren, Klösteruniversitäten und Kulturdenkmäler dem Erdboden gleich gemacht
- tibetische Frauen in gebärfähigem Alter wurden zu Hauf durch mobile Ärztemannschaften zwangssterilisiert, um somit das Volk der Tibeter weiter zu dezimieren
- Seit 1979 werden unter dem Vorwand der Modernisierung Millionen von Chinesen nach Tibet umgesiedelt, um somit die Sinisierung zu forcieren
- 2006 wurde die Eisenbahnverbindung zwischen Tibet und China fertig gestellt, um die Ressourcen Tibets effektiver plündern zu können und die demographische Invasion, nach dem Vorbild des Vorgehens in der Inneren Mongolei, voran zu treiben
Die Folgen dieser kolonialistischen Politik sind:
Wir, die Einwohner Tibets, sind in unserer eigenen Heimat zu einer Minderheit geworden, wo wir in einem von Chinesen dominierten Umfeld unsere Kultur und Sprache nicht mehr pflegen können und zunehmend zu Menschen zweiter Klasse degradiert werden. Diese ständige Drangsalierung, Diskriminierung und die Schikanen sind letztlich die Ursachen der Unruhen 2008, die abermals durch Beijing brutalst niedergeschlagen wurden. Mehr als 240 Tibeter fanden dabei den Tod und 10.000 wurden willkürlich verhaftet. Beijing hat nicht mal im Ansatz Verständnis für die Nöte der Tibeter gezeigt. Die Funktionäre in China kennen nur die Sprache der Gewalt. Auch auf das 5 Punkte-Friedensangebot Seiner Heiligkeit des Dalai Lamas sind sie nicht eingegangen. Sie wägen sich in der Gewissheit, den Freiheitswillen eines Volkes nieder knüppeln zu können und die Welt durch Drohungen fügsam zu machen.
Auch dieses Jahr zum 10 März erwarten die Machthaber in China Unruhen in Tibet. Vorsorglich haben sie daher alle Ausländer des Landes verwiesen und Tibet in einen Kriegsschauplatz verwandelt. Abertausende von Soldaten wurden zusätzlich nach Tibet gesandt, die die Straßen in den Städten und Dörfer mit Maschinengewehren im Anschlag patrouillieren und kontrollieren. Es herrscht praktisch das Kriegrecht in Tibet. Viele internationale Beobachter befürchten ein Blutbad!
Der Verein der Tibeter in Deutschland fordert die internationale Gemeinschaft auf, die nach langjährigen Kämpfen errungenen Werte der Menschheit, wie die Menschenrechte und Demokratie, nicht zu Gunsten von kurzsichtigen wirtschaftlichen Vorteilen zu verkaufen und sich nicht durch Kumpanei an Verbrechen der Menschlichkeit schuldig zu machen. Wir bitten Sie, den vernünftigen „Mittleren Weg“ Seiner Heiligkeit, in dem wir keine Loslösung Tibets vom chinesischen Staatsverband mehr fordern, sondern eine echte Autonomie, die uns in der chinesischen Verfassung bereits garantiert wird, zu unterstützen.
Es steht nicht nur Tibet auf dem Spiel, sondern die Glaubwürdigkeit des Westens und der Welt!
Bod rGayl Lo
Lekshey Hofheinz
1. Vorsitzender des VTD
Es wurde aus dem Tibetischen zusammengefasst.
Tibetische Version:? ansprach-am-10032009
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