Mrz 25 2009

VdT

“Nicht einmal grundlegende Rechte werden gewährt”

Abgelegt 22:31 unter Aktuelles

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Die Dichterin Liu Xia spricht über das Leben als Dissident in China und über ihren Mann, den inhaftierten Schriftsteller Liu Xiaobo, Verfasser des regierungskritischen Manifests “Charta 08″

ZEIT ONLINE: Sie durften vor ein paar Tagen das erste Mal seit fast drei Monaten ihren inhaftierten Mann wieder sehen.

Liu Xia: Ja, am Abend vorher hatte mich die Polizei plötzlich darüber informiert. Die Beamten holten mich morgens ab und brachten mich wie beim ersten Treffen an einen Ort am nördlichen Stadtrand von Peking. Dort konnte ich mit meinem Mann zusammen Mittag essen. Wir hatten etwa eine Stunde zusammen. Beamte standen die ganze Zeit neben uns. Er ist etwas dünner geworden, aber er wirkte sonst recht ausgeglichen. Er darf jetzt fernsehen und lesen. Von den 50 Büchern, die ich in den letzten Wochen zur Polizei gebracht habe, hat er 10 bekommen.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie mit der Verhaftung Ihres Mannes gerechnet?

Liu Xia: Ich bin von Natur aus Pessimistin, bereite mich immer auf das Schlimmste vor. Rund einen Monat vor seiner Verhaftung hatte ich so eine Art Vorahnung. Am 8. Dezember habe ich die Renovierungsarbeiten in unserer neuen Wohnung besichtigt. Danach habe ich zu meinem Mann gesagt, wer weiß, ob wir die gemeinsam beziehen können. Am Abend so gegen 23.00 Uhr ist er dann verhaftet worden. Bis jetzt haben die Behörden uns nicht mitgeteilt, was für eine Straftat er begangen haben soll.

ZEIT ONLINE: War Ihr Mann überrascht?

Liu: Er hat nicht damit gerechnet wegen der “Charta 08″ verhaftet zu werden. Im Vorfeld des 4. Juni [dem 20. Jahrestag der Niederschlagung der Protestbewegung auf dem Tiananmen-Platz. Anm. Redaktion] hat er dies schon eher erwartet. Er hat seit drei Jahren an der Charta geschrieben. Einige Entwürfe kursierten ja schon. Weder er noch seine Freunde haben damit gerechnet, dass so etwas passiert.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet es für Sie, dass Ihr Mann ein Dissident ist?

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