Nov 20 2008

VdT

“Die Zeit für alle Tibeter ist gekommen”

Abgelegt 00:54 unter Aktuelles


(Süddeutsche)Mehr als 600 Exil-Tibeter haben am Montag in der nordindischen Stadt Dharamsala Beratungen über den weiteren Umgang mit der chinesischen Regierung aufgenommen.

“Wir glauben, dass dieses Treffen als wichtiges Ereignis in unsere Geschichte eingehen wird”, teilte die tibetische Exil-Regierung zum Auftakt mit. Die chinesischen Repressionen gegen Tibet und die Tibeter hätten zugenommen.

“Es gibt keine Anzeichen für eine Wandlung zum Positiven.” Der Dalai Lama, der selber nicht an den sechstägigen Gesprächen teilnehmen will, hatte das Sondertreffen angesichts der festgefahrenen Verhandlungen mit Peking einberufen.

Der tibetische Exil-Premierminister Samdhong Rinpoche sagte, die Gespräche fänden zu einem “kritischen Zeitpunkt” statt. “Jetzt ist die Zeit für alle Tibeter gekommen, über ihre Sorgen zu diskutieren und ihre Meinungen auszutauschen”, teilte die Exil-Regierung weiter mit. Ziel sei eine offene Diskussion.

Das Treffen solle Kritikern der Politik der Exil-Regierung eine Plattform bieten. Ein Politikwechsel müsse vom gesamten Volk bestimmt werden. “Welche Haltung zur Zukunft Tibets auch entschieden werden mag, sie sollte ein klares Mandat des Volkes haben. Die vereinten Bemühungen der Tibeter sollten auf der internationalen Bühne sichtbar sein.”

Nach Angaben der Exil-Regierung nehmen 660 Exil-Tibeter an dem Treffen teil. Die Gespräche sollen bis kommenden Samstag andauern. Sondergesandte des Dalai Lama hatten sich am Sonntag enttäuscht über den Verlauf des jüngsten Tibet-Dialogs mit Vertretern der chinesischen Regierung gezeigt. Es sei deutlich geworden, dass Peking kein Interesse daran habe, das Tibet-Problem ernsthaft zu lösen. Im März war es zu heftigen Unruhen in Tibet gekommen, gegen die Peking massiv vorgegangen war.

Anschließend hatte sich die chinesische Führung zur Wiederaufnahme der Gespräche mit Gesandten des Dalai Lama bereiterklärt, die ergebnislos blieben.

Der Dalai Lama fordert eine “echte Autonomie” Tibets innerhalb Chinas. Peking wirft ihm vor, verdeckt nach Unabhängigkeit zu streben. Der geistliche Führer der Tibeter hatte vor wenigen Wochen erklärt, er stelle inzwischen eher ein Hindernis dar, als zur Lösung des Problems beizutragen. Er rief die Tibeter dazu auf, “nach realistischen und gewaltfreien Optionen für den künftigen Kurs unseres Kampfes” zu suchen.

Der Sprecher des tibetischen Exil-Parlaments, Karma Choephel, machte China für ein Scheitern der Verhandlungen über Tibet verantwortlich. Er sagte, vor dem Treffen in Dharamsala seien 17.000 Tibeter in Tibet befragt worden, von denen sich knapp ein Drittel für die Unabhängigkeit von China ausgesprochen habe. Choephel machte keine Angaben dazu, wie die Befragung im besetzten Tibet zustande gekommen war. In Indien leben 80.000 Exil-Tibeter, mehr als in jedem anderen Land. Der Dalai Lama war 1959 nach Dharamsala geflohen.

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