Jun 29 2009
Dalai Lama – “Gier macht Unternehmen krank”
Im Interview mit WELT ONLINE gibt der Dalai Lama ein vehementes Bekenntnis zu Freiheit und Marktwirtschaft ab – und das, obwohl er sich selbst als marxistischen Mönch sieht.
WELT ONLINE: Eure Heiligkeit, für die Tibeter sind Sie ein Gottkönig, und auch viele Menschen im Westen vergöttern Sie. Haben Sie eigentlich eine Schwäche?
Dalai Lama: (lacht) Ja, ich bin faul. Natürlich, ich stehe morgens um 3.30 Uhr auf, mache einige Übungen, meditiere, frühstücke, meditiere wieder. Das geht dann vier oder fünf Stunden so. In dieser spirituellen Hinsicht bin ich nicht faul. Aber wenn ich im Flugzeug sitze, dann sehe ich Leute, die lesen, schreiben sich immer etwas auf, bereiten am Computer Vorträge vor. So etwas mache ich nie. Keine Hausaufgaben, keine Vorbereitung. Das sind Zeichen meiner Faulheit.
WELT ONLINE: Ärgert Sie das?
Dalai Lama: Nein. Wenn ich mich intensiv vorbereite, habe ich immer das Gefühl, dass es künstlich ist. Ich fühle mich viel besser, wenn ich ganz spontan bin. Das kommt dann von Herzen.
WELT ONLINE: Können Sie sich eigentlich vorstellen, wie lange ich dieses Interview vorbereitet habe?
Dalai Lama: (lacht wieder) Sie sind ja Deutscher, da muss immer alles genau sein. Außerdem müssen Ihre Fragen interessant sein. Wenn ich die Fragen stellen müsste, würde ich mich auch besser vorbereiten. Aber ich muss ja nur antworten. Und wenn ich keine Antwort weiß, dann sage ich Ihnen das eben.
WELT ONLINE: Also gut: Wie lösen wir kurzfristig die Finanzkrise?
Dalai Lama: Sehen Sie, das ist so eine Frage. Ich weiß es nicht. Das müssen die Politiker entscheiden. Ich bin kein Experte, was die Lösung von akuten Krisen angeht. Das ist genauso wie mit der Gewalt, mit Terrorismus. Kurzfristig werden die Regierungen handeln müssen, um Gefahren von der Bevölkerung abzuwenden. Das ist auch richtig so. Doch bei allem kurzfristigen Handeln dürfen wir alle nicht versäumen, die Wurzel der Probleme zu gehen.
Mehr sehen Sie hier….
Keine Kommentare